Leider kommt es sehr häufig vor, dass im Leistungsverzeichnis oder der Baubeschreibung des Bauträgers unter dem Punkt Erdarbeiten nur steht

“ Das Ausheben der Baugrube sowie das Aushubmaterial seitlich auf dem Grundstück lagern.“

Liest man nun diesen Satz in dem Blogbeitrag wird einem sehr schnell klar werden, der Bauträger hebt den Aushub aus und legt diesen Aushub auf dem Grundstück ab… sehr gut.

Was sollten Sie als Bauherr allerdings beachten.

Sagen wir Ihr Grundstück hat die durchschnittliche Größe von 450qm und Sie möchten ein Einfamilienhaus mit den Abmessungen 9,00mX10,00m bauen. Die Gründungstiefe, also die Unterkante der Schottertragschicht liegt 2,30 unter Oberkante Gelände.

Welche Aushubmenge ist zu erwarten?

Es werden auf allen Seiten ca. 60cm Arbeitsraum benötigt. Dies ergibt eine Grundfläche von (9,0+0,60+0,60)*(10,0+0,60+0,60)= 114,24qm

Die Böschung der Baugrube ist abhängig von der Bodenklasse. Wir nehmen die Böschung mit den üblichen 60° an. Somit ergibt sich bei einer Aushubtiefe von 2,30m eine obere Grundfläche von (10,20+1,32+1,32)*(11,20+1,32+1,32)= 177,70qm

Nun können wir die Masse ermitteln.

(114,24+177,70)/2*2,30= 335,73m3

Dies wäre die feste Masse. Allerdings ergibt sich durch den Aushub ein Auflockerungsfaktor. Dieser ist natürlich von dem Erdmaterial abhängig. Wir nehmen in unserem Beispiel 30% an. Somit ergibt sich eine zu lagernde Masse von 436m3.

Von unserem Platz auf dem Grundstück müssen wir nun die Baugrube inkl Randbereiche sowie Flächen für die Baustelleinrichtung abziehen. Nehmen wir mal an wir haben von den 450qm am Ende noch 150qm freie Fläche zur Verfügung. Dann müssen wir die Aushubmasse als Quader fast 3,0m hoch aufschütten. Das klappt natürlich nicht, sondern der Aushub kann nur in Mieten aufgesetzt werden. Zudem müssen Mutterboden und restlicher Aushub getrennt gelagert werden. Dies wird in unserem Beispiel nicht funktionieren.

In der Praxis wird dies so laufen, dass der Bauträger Ihnen einen Nachtrag, also Mehrkosten, anzeigt für Aushub abfahren und entsorgen. Gerne wird dies als Sowiesokosten bezeichnet. Allerdings ist es ein unterschied, ob ich zum einen mit den Kosten gerechnet habe und zum anderen kann man natürlich vorher besser die Höhe der Kosten verhandeln.

Es gibt beim bauen sehr viele Fallstricke auf die ein Bauherr achten muss. Der Aushub ist da erst der Beginn.

Im Rahmen einer Bauherrenschulung oder Bauherrenseminaren lernen Sie im Vorfeld viele Fallstricke des täglichen Baugeschäftes kennen.

Fotoquelle: Pixelio.de
Fotograf Andreas Hermsdorf

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2 Kommentare

  1. Na ja, Fachwissen wird überall gefordert, auch beim Baggern! Danke für das anschauliche Beispiel für den Sohn! Technik interessiert ihn und die Bauarbeiten, wie mein Vater sagt, sind immer nachgefragt. Eine gute Perspektive für das Berufsfeld! Danke!

  2. Über die Mehrkosten, die für Aushub abzufahren und zu entsorgen sind, habe ich zum ersten Mal gelesen. In ein paar Tagen soll der Erdbau bei uns angefangen werden. Habe etwas noch Zeit zum Überlegen, wohin mit dem Aushub. Meinen Dank für den Tipp! Dies ist im Gespräch mit Baufirma ganz ausgefallen.

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